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Die »Death Valley Germans« – 4 deutsche Touristen verschwinden spurlos im kalifornischen Tal des Todes

Foto: joho345 / gemeinfrei / Wikimedia Commons

Dies ist eine Geschichte von unglücklichen Fehlentscheidungen und mangelnder Vorbereitung in einer der lebensfeindlichsten Regionen der Erde. Im Juli 1996 verschwinden 4 deutsche Touristen in der unerbittlichen Wildnis des berüchtigten Death Valleys im US-Bundesstaat Kalifornien. Ihr Schicksal war lange Zeit unklar. Vor einigen Jahren konnte das Rätsel um das Verschwinden der 4-köpfigen Familie, die in US-amerikanischen Medien als »Death Valley Germans« bekannt wurden, letztendlich doch noch gelöst werden.

Bei der Familie handelte es sich um den 34-jährigen Architekten Egbert Rimkus, seiner 28-jährigen Freundin Cornelia »Conny« Meyer sowie seinem 8-jährigen Sohn Georg Weber und Cornelias 4-jährigem Sohn Max Meyer, die einen 3-wöchigen Urlaub in den USA machten. Das frisch liierte Paar lebte in Dresden. Spätere Untersuchungen konnten Klarheit über die Tage vor ihrem Verschwinden schaffen.

Sie starteten ihre Reise am Frankfurter Flughafen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Seattle, wo sie am 8. Juli landeten, flogen sie weiter Richtung Los Angeles. Vor Ort mieteten sich die 4 Deutschen einen Leihwagen und – wie Bilder ihrer gefundenen Kamera nahelegten – fuhren zur kalifornischen Küste, bevor sie das Treasure Island Hotel in Las Vegas aufsuchten. Am 22. Juli checkten sie wieder aus und brachen in Richtung Death Valley auf. Ihr Ausflugsziel war vermutlich der Yosemite National Park.

Marathon im Death-Valley-Nationalpark und Verschwinden der Deutschen

Das Death Valley – auf Deutsch Tal des Todes – wurde 1994 Teil eines der größten Nationalparks der USA. Der Death-Valley-Nationalpark, der sich über eine Fläche von mehr als 13.000 km² erstreckt und jährlich mehr als eine Million Besucher anlockt, ist eines der heißesten Orte der Welt. Als wäre das nicht schon genug, erlebte das Tal im Sommer 1996 eine 40-tägige rekordbrechende Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 55°C.

Zur gleichen Zeit, als Egbert Rimkus und seine kleine Familie das Death Valley erreichten, fand dort der jährliche Ultramarathon Badwater 135 statt. Bei diesem Ultramarathon laufen die Athleten 135 Meilen ( 217 km ) quer durch das Death Valley bis hoch zum Whitney Portal am Mount Whitney. Er gilt als eines der härtesten Wettläufe der Welt.

Badwater Becken – Austragungsort des Badwater 135 Ultramarathons | © Alexander Migl / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Im Gegensatz zu den 4 Deutschen hatten sich die Marathonläufer auf die Tortur durch das kalifornische Tal monatelang vorbereitet. Darüber hinaus wurden sie auf dem Weg durch das brütend heiße Tal des Todes auf Schritt und Tritt von Unterstützungsteams begleitet. Egbert Rimkus, seine Freundin Conny und ihre 2 Kinder waren dagegen ganz auf sich alleine gestellt, lediglich mit zwei vereinfachten Touristenkarten und viel zu wenig Proviant ausgestattet. Dies sollte ihnen zum Verhängnis werden.

Keine Spur von Egbert Rimkus und seiner Familie

Die Mietwagenfirma Dollar car rentals hatte den Wagen, der am 26. Juli zurückgegeben werden sollte, am 10. September als gestohlen gemeldet. Sie wartete üblicherweise 30 Tage nach Ablauf der Rückgabefrist, bis sie ein Leihfahrzeug der Polizei meldete.

Egbert Rimkus‘ Ex-Frau Heike Weber begann sich Sorgen zu machen, als ihr Sohn Georg am 27. Juli nicht nach Hause kam und wandte sich an die Reiseagentur ihres Ex-Mannes. Die deutsche Reiseagentur fragte bei Dollar car rentals nach Informationen über die 4 Deutschen, doch dort konnte kein Mitarbeiter weiterhelfen.

Heike Weber befürchtete, dass sich ihr Ex-Mann mit ihrem Sohn ins Ausland absetzen wollte. Sie beschrieb ihn als einen Abenteurer und Draufgänger und hielt ihn für clever genug, einen Plan auszuarbeiten, um mit ihrem Sohn unterzutauchen. Am 14. August meldeten die deutsche Reiseagentur und die Mietwagenfirma die deutschen Touristen bei Interpol als vermisst. Eine heiße Spur gab es zu dem Zeitpunkt nicht.

Fund des Leihwagens und die anschließende Suche nach den Vermissten

Dies änderte sich fast 3 Monate später, am 21. Oktober 1996, als der Death Valley National Park Ranger Dave Brenner in einem Hubschrauber über den südlichen Teil des Death Valleys flog. Der Nationalpark-Ranger war nicht auf der Suche nach den 4 Deutschen, sondern auf einer Mission zum Aufspüren von Drogenlaboren. Doch er war es, der den grünen Plymouth im Anvil Canyon, abseits jeder offiziellen Straße, als erstes entdeckte. Brenner wunderte sich, was der Familienwagen, der für dieses Gelände völlig ungeeignet war, dort zu suchen hatte.

Er landete mit seinem Hubschrauber und untersuchte den offenbar schon länger verlassenen Plymouth. Er fand Anzeichen dafür, dass die 4 Deutschen sich einige Zeit an dieser Stelle aufhielten. Nahrungsmittelverpackungen, Toilettenpapier sowie Fäkalien befanden sich in der Nähe des staubbedeckten Plymouths.

Anhand des Nummernschildes waren die 4 Touristen aus Deutschland schnell identifiziert und so begann in den darauffolgenden Tagen eine mit 250 Personen groß angelegte Suchaktion nach Egbert Rimkus, Cornelia Meyer, Georg Weber und Max Meyer. Die involvierten Suchmannschaften durchkämmten tagelang das Gebiet, in dem sie die Vermissten vermuteten. Sie fanden lediglich eine leere Bierflasche im Sand, die sie den Deutschen zuschreiben konnten, ansonsten fehlte jede Spur.

Tom Mahood und seine Theorie, die zum Durchbruch führt

Die Jahre danach folgten weitere sowohl offizielle als auch private Suchaktionen, doch der Erfolg blieb aus. Erst im Jahr 2009, als der Such- und Rettungsarbeiter für das Los Angeles County Tom Mahood auf den Fall aufmerksam wurde, gelang der Durchbruch und das Schicksal von Egbert Rimkus, Cornelia Meyer und ihren Söhnen konnte nach 13 Jahren letztendlich doch noch geklärt werden.

Tom Mahood stellte eine Theorie auf, wie es zu dem tragischen Unglück gekommen sein könnte:

 

»Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass sie am Morgen des 23. Julis Hanaupah Canyon verlassen haben und Richtung Süden zur Warm Spring Road gefahren sind, um dann weiter Richtung Westen zu gelangen. An diesem Punkt müssten sie eine schmale Schotterstraße vorgefunden haben. Am Warm Spring Camp machten sie wahrscheinlich Halt, weil sie dachten, dass sie sich dort nach dem Straßenzustand weiter westlich erkundigen könnten. Stattdessen fanden sie das Warm Spring Camp verlassen vor und schrieben dort einen Eintrag ins Gästebuch, der vermuten ließ, dass sie Richtung Mengle Pass weiterfuhren.

Dann fuhren sie westlich Richtung Butte Valley. Sie mussten auch dort schlechte Straßenzustände vorgefunden haben, bevor sie die sogenannte Stone Cabin entdeckten. An der Stone Cabin haben sie wahrscheinlich erneut einen Versuch unternommen, nach den Straßenzuständen auf ihrem weiteren Weg zu fragen. Doch auch dort war es menschenleer. Sie entschieden sie sich aus der Stone Cabin eine Flagge als Souvenir mitzunehmen und dann Richtung Mengle Pass zu fahren.

Als sie den Mengle Pass erreichten, wurde ihnen schnell klar, dass sie dort unmöglich mit ihrem Wagen weiterkamen. In ihrem Reiseführer war der Mengle Pass nicht anders gekennzeichnet als jene Straßen, die sie zuvor schon befahren hatten, und deshalb gab es für die Gruppe keinen Grund zu glauben, dass der Mengle Pass nicht befahrbar wäre.

Sie mussten also umkehren. Egbert schaute im Reiseführer nach dem schnellsten Weg zurück. Er fand eine alternative, kürzere Route zurück ins Tal und so machten sie sich auf den Weg herunter zum Anvil Canyon. Natürlich war das keine gute Route; besonders am späten Nachmittag, wenn das Tageslicht schon schwindet.

Die Deutschen kehrten zur Straßenkreuzung an der Stone Cabin zurück und bogen auf die Anvil Canyon Road ab. Wahrscheinlich hatten sie es mittlerweile ziemlich eilig und wollten den Yosemite National Park so früh wie möglich erreichen. Deshalb fuhren sie für die schlechten Straßenbedingungen viel zu schnell und große Steine zerstörten 3 ihrer Reifen. Mit 3 platten Reifen war es für sie unmöglich weiterzufahren.

Möglicherweise sah Egbert auf der Touristenkarte die nördliche Grenze des China Lake Naval Weapons Center (NWC), die nur 8 oder 9 Meilen südlich von ihnen lag. Man kann sich leicht vorstellen, wie er die umgebenden Hügel hochkletterte und Richtung Süden schaute, um in der Ferne die Sicherheit versprechende Militäreinrichtung zu entdecken.

Die Gruppe verbrachte dann wahrscheinlich eine Nacht in dem Leihwagen und brach früh am nächsten Morgen auf der Suche nach Hilfe Richtung China Lake NWC auf.«

Rettungsteams in den vorherigen Jahren schlossen die Möglichkeit aus, dass sich Egbert Rimkus und Cornelia Meyer in diese Richtung begaben und deshalb wurde auch nie offiziell in der Nähe des China Lake Naval Weapon Centers gesucht.

Tom Mahood folgerte, dass es die wahrscheinlichste Route der Deutschen war. Egbert und Cornelia dachten wahrscheinlich, dass die Militäreinrichtung mit Soldaten und Mitarbeitern besetzt war. Doch dies war nicht der Fall.

13 Jahre nach Verschwinden – Tom Mahood und Les Walker finden Überreste der »Death Valley Germans«

Mahood und sein Suchpartner Les Walker durchforsteten stundenlang das unwirtliche Gebiet rund um das China Lake NWC. Schließlich wurden sie südöstlich der Militäreinrichtung und 8 Meilen von dem Plymouth entfernt in einem abgelegenen Gebiet namens Goler Wash fündig. Die gefundenen Knochen konnten als Egbert Rimkus und Cornelia Meyer identifiziert werden. Neben ihren Überresten lagen der Reiseführer, leere Bierflaschen und 2 leere Wasserbehälter. Es wurden weitere Knochen gefunden, die wahrscheinlich den Kindern zuzuordnen sind, jedoch konnte nicht mehr genug DNS extrahiert werden, um eine Identifizierung durchzuführen.

Bericht über Tom Mahood und Les Walker, die nach 13 Jahren Überreste der Familie gefunden haben

Nach 13 Jahren der Ungewissheit erfuhren die Angehörigen letztendlich doch noch, welches Schicksal die Dresdner Familie ereilte. Egbert Rimkus und Cornelia Meyer unterschätzen die unerbittliche Wildnis des Death Valleys und bereiteten sich nicht angemessen auf die Durchfahrt, die nur ortskundigen Fahrern mit Geländefahrzeugen empfohlen wird, vor. Dazu kamen dann noch unglückliche Fehlentscheidungen, wie die Fahrt zum unpassierbaren Mengle Pass und der Fußmarsch zum menschenleeren China Lake NWC, die unter anderem auch durch einen vereinfachten Reiseführer begünstigt wurden.

Die 4 Deutschen waren nicht die einzigen Touristen, die dieses schreckliche Schicksal im Death Valley erlitten. In den letzten 20 Jahren alleine kam es im Tal des Todes mindestens zu einem Dutzend hitzebedingten Todesfällen und vielen weiteren Zwischenfällen, die beinahe zum Tod geführt hätten.


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